Intensivkurse in den Ferien - Turbo Fortschritte oder leere Versprechen?

Man sieht sie immer häufiger - Anbieter die versprechen, die Kinder in 2 Wochen Intensivkurs mit Training jeden Tag zum Seepferdchen zu bringen.

Doch wie realistisch ist das eigentlich? Ist so ein Kurskonzept sinnvoll für Kinder? Und wo liegen die Probleme?

Über Monate jede Woche einen Schwimmkurs zu besuchen ist für einige Familien schwierig, meist aus beruflichen oder privaten Gründen. Da kommt so ein Intensivangebot in den Sommerferien sehr gelegen, besonders wenn es am Ende die Erfolgsaussicht des “scheinbar sicheren Schwimmens” verspricht.

Was man hier völlig außer Acht lässt, ist das Kinder nicht gleich Kinder sind. Die einen springen mit 4 Jahren bereits angstfrei ins Wasser und tauchen, die anderen haben mit 6 Jahren noch Angst vor Wasser in den Augen. Ein pauschales Versprechen zu machen ist daher schon mal grundlegend nicht möglich und falsch. Wassergewöhnung braucht Zeit und Vertrauen. Schnell und mit Druck funktioniert es nicht. Man läuft Gefahr, am Ende durch zu viel Druck mehr Schaden als Gutes anzurichten. Wenn das Kind einmal Wasser und Schwimmen mit Angst und Stress verbindet, ist es schwierig, es nochmal vom Gegenteil zu überzeugen.

Um zu beurteilen, wie sinnvoll so ein Kurs für junge Kinder ist, muss man sich anschauen, wie so ein Lernprozess beim Kind abläuft. Gerade motorische Bewegungen wie Schwimmtechniken werden durch kontinuierliche Wiederholung gelernt und verinnerlicht. Pausen, Schlaf und Verarbeitung zwischen den Einheiten spielen hier eine zentrale Rolle und sind essentiell für einen nachhaltigen Lerneffekt. Besonders bei jüngeren Kinder sind Kraft und Konzentration begrenzt. Sehr dichtes Training kann schnell ermüdend und überfordernd sein. Aber das größte Problem ist nicht das intensive Training selbst, sondern die fehlende Nachhaltigkeit des Gelernten gepaart mit der Annahme “Einmal gelernt, das passt jetzt schon so”.

Man kann es sich ein bisschen so vorstellen wie beim Lernen einer Sprache. Einmal im Intensivkurs gelernt und danach nie wieder gesprochen. Nach einem Jahr ohne Übung hat man so gut wie alles vergessen. Das Gehirn stellt Verknüpfungen da, aber wenn die nach dem Lernen nicht wieder abgerufen werden, werden sie wieder gekappt. Ein Kind, dass zwei Wochen lang jeden Tag schwimmt, ist nach diesen zwei Wochen vielleicht besser geworden und hat vielleicht sogar das Frühschwimmerabzeichen (Seepferdchen) geschafft. Aber im nächsten Sommer, wenn es ins Freibad geht, zeigt sich, dass das Schwimmen nicht nachhhaltig gelernt wurde.

Ein Kind, was über mehrere Monate kontinuierlich einmal die Woche einen Schwimmkurs besucht und zwischendurch regelmäßig das Gelernte mit Mama und Papa im Schwimmbad vertieft, hat regelmäßige Schwimmpraxis, kann das Gelernte in den Pausen gut verarbeiten und über die Zeit Kraft und Ausdauer aufbauen, die nicht direkt wieder verloren geht.

Aber das größte Missverständnis bei einem Express-Kurs?

Dieser Punkt ist so wichtig, dass er eigentlich in jedem Werbespot stehen sollte, tut er aber so gut wie nie. Das Seepferdchen ist ein Anfängerabzeichen, kein Sicherheitsnachweis. Es trägt nicht umsonst den offiziellen Titel “Frühschwimmerabzeichen”. Es bedeutet, dass ein Kind sich die ersten paar Meter ohne Hilfsmittel fortbewegen kann, nicht dass es sicher schwimmen kann.

Fachleute, etwa von der DLRG, betonen seit Jahren: Ein Kind gilt erst dann als sicherer Schwimmer, wenn es das Jugendschwimmabzeichen in Bronze geschafft hat. Also 15 Minuten schwimmen und im tiefen Wasser tauchen kann. 25 Meter im flachen Bad sind davon weit entfernt.

Diese Verwechslung ist gefährlich, weil sie ein falsches Sicherheitsgefühl erzeugt. Eltern, die nach dem Seepferdchen denken, ihr Kind sei nun „durch“, lassen die Aufsicht am See oder im Freibad womöglich lockerer. Genau das Gegenteil von dem, was nötig wäre. Ein Intensivkurs, der mit dem Abzeichen wirbt, aber diesen Unterschied verschweigt, verkauft im Grunde eine Illusion.

Fazit?

Das Versprechen „Seepferdchen in zwei Wochen“ greift zu kurz. Ob es klappt, hängt sowohl vom Kurskonzept ab als vom einzelnen Kind, seiner Wasservertrautheit und seinem Tempo. Die Gefahr liegt im Marketing, das ein Anfängerabzeichen wie einen Sicherheitsfreibrief aussehen lässt.

Am Ende zählt nicht das Stück Stoff auf dem Badeanzug, sondern dass ein Kind sich im Wasser wohlfühlt, Freude daran hat und Schritt für Schritt zum wirklich sicheren Schwimmer wird. Das Seepferdchen ist dabei ein schöner erster Meilenstein. Mehr aber auch nicht.

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Seepferdchen = Sichere Schwimmer?